AI, Blockchain, Chatbots - data quality first

Dass es keinen Sinn macht, die Zukunft zu entwickeln, wenn die Gegenwart noch schwächelt, zeigen die viele aktuelle Projektbeispiele der Versicherungsindustrie. Dort wird derzeit an glamourösen Themen wie Blockchain, Chatbots und künstlicher Intelligenz gearbeitet. Der Punkt ist, dass automatisierte Prozesse nur so gut sein können, wie die Daten, die ihnen zur Verfügung stehen. Gerade hier gibt es aber noch viel Nachholbedarf.

Die rechte Hand muss wissen, was die linke macht

Entgegen dem äußeren Eindruck sind Versicherungsunternehmen oft in mehrere Gesellschaften gesplittet. Aber auch dort, wo es nicht zutrifft, sind die IT-Systeme häufig in verschiedenen Silos untergebracht. Daher ist kein übergreifender Zugriff auf die gespeicherten Daten möglich. Die Folge: Auch wenn Unfallversicherer und Autoversicherer zum selben Konzern gehören, kann die künstliche Intelligenz nur auf eine einzelne Datensammlung zugreifen. Dann ist sie zwar intelligent, aber nicht besonders gebildet. Rechtliche Rahmenbedingungen erschweren die Verbesserung – und genau hier sind innovative und zu den regulatorischen Vorgaben passende Ideen gefragt.

Blockchain oder was intelligentes Datenmanagement ermöglichen könnte

Der Begriff Blockchain steht für Computernetzwerke, die dezentral und vermeintlich sehr sicher Daten austauschen können. Hier ist nicht nur ein übergreifender Zugriff möglich, sondern auch schnelle Veränderungen an Datensätzen, egal wo diese gespeichert sind. Auf dieser Basis lassen sich sogenannte „Smart Contracts“ generieren – selbstausführende Verträge, die sowohl die Verhandlung als auch die Ausführung und Verifizierung von Verträgen erleichtern. Zudem lassen sich Datensätze von Drittanbietern einbinden, beispielsweise Flugsysteme. Diese würden dann z. B. Verspätungen von Flugzeugen melden, sodass eine automatische Schadenszahlung eingeleitet werden kann.

Vor dem Laufen kommt das Gehen

Es bringt nichts, sich mit Hype-Themen zu befassen, solange die dafür notwendige Basis nicht geschaffen ist. Niemand legt Wert auf „dumme“ Chatbots, die nur demonstrieren, dass die Idee gut, die Umsetzung aber fragwürdig ist. Die Versicherer müssen zuvor ihre Produktdigitalisierung und Datenhaltung in den Griff bekommen.

Dieser Artikel wurde zuerst auf LinkedIn veröffentlicht.

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