Amazon is coming

Es rumort im Markt: Erste Meldungen besagen, dass Amazon in London eine eigene Versicherungsabteilung aufbaut. Aktuell sollen dort bereits über 100 Versicherungsexperten beschäftigt sein. Zudem aktiviert der Logistik-Riese für das Finden und Einstellen dieser Leute Ressourcen, von denen so manche Großversicherer nur träumen können. Nicht zu vergessen ist dabei die enorme Ausstattung mit Kapital und Marktpower, die bisher jede Neuerung im Hause Amazon, allen gelegentlichen Unkenrufen zum Trotz, zum Erfolg werden ließ. Das ist aber nicht der einzige Grund, traditionellen Versicherern schlaflose Nächte zu bereiten …

Amazon kennt seine Kunden

Amazon weiß wesentlich mehr über seine Kunden als jede Bank und jeder Versicherer. Wer beispielsweise Bücher über das Bergsteigen kauft, wird für eine Unfallversicherung offener sein als eine Person, die nur selten das Haus verlässt. Genau diese Person erlebt es aber oft, dass Versicherungsvertreter ihr eine Unfallversicherung verkaufen wollen. Das ist gut für Amazon und letztlich auch die Kunden, denn das ermöglicht es, sie künftig deutlich bedarfsgerechter zu behandeln, als es bisher oft der Fall war.

Revolution oder Schnee von gestern?

Sicher kann man entgegnen, dass erfolgreiche Versicherungsmakler es genau so tun: Sie kennen ihre Kunden und gehen exakt auf deren Bedürfnisse und Situation ein. Allerdings stellen solche Vermittler nur die Spitze eines Eisbergs dar, der in seiner Gesamtheit nach wie vor nicht immer kundenorientiert vorgeht. Hinzu kommt, dass Amazon viel Zeit und Geld investiert hat, um das Verbraucherverhalten zu analysieren, während die Versicherungsindustrie damit beschäftigt war, ihre EDV-Systeme zu modernisieren.

Der Zwang, besser zu werden

Man kann die (mögliche) Zukunft auch positiv sehen. Wenn Amazon den Versicherungsmarkt betritt, wird dies enormen Druck auf die Branche ausüben, den Druck, besser zu werden, um mithalten zu können, oder unterzugehen. Vielleicht entdeckt die Versicherungsindustrie dann auch wieder, was sie einst groß gemacht hat: die Nähe zum Kunden.

Dieser Artikel wurde zuerst auf LinkedIn veröffentlicht.

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