Der Onlinelebensmittelhandel ist auf dem Vormarsch, steht aber weiterhin vor großen Herausforderungen. Insbesondere die Lieferung der Lebensmittel an den Kunden stellt die Händler vor große Probleme. Schließlich können frische oder gekühlte Lebensmittel im Gegensatz zu klassischen Paketen nicht einfach an einen Nachbarn übergeben werden, wenn der Kunde nicht zu Hause ist. Zu groß wäre die Gefahr, dass die gelieferten Waren verderben, während sie ungekühlt beim Nachbarn auf den Empfänger warten. Aus diesem Grund suchen zahlreiche Handelsunternehmen nach praktikablen Lösungen, um die Lebensmittellieferung zu optimieren.

Lebensmittellieferung: Ideal für Familien mit berufstätigen Eltern

Die Problematik, vor die die Unternehmen dabei gestellt sind, lässt sich am besten an einem Beispiel demonstrieren: Eine der wichtigsten Zielgruppen des Onlinelebensmittelhandels sind Familien mit zwei berufstätigen Eltern. Wenn diese nach der Arbeit nach Hause kommen, möchten sie Zeit mit ihren Kindern verbringen oder müssen diese zu verschiedenen Aktivitäten begleiten. Da bleibt wenig Zeit für den Lebensmitteleinkauf. Hinzu kommt, dass gerade Familien mit kleinen Kindern häufig Wert auf eine gesunde Ernährung legen. Hierfür bilden insbesondere frische Lebensmittel die Basis. Eigentlich müsste somit sogar mehrmals pro Woche eingekauft werden. Die Lebensmittellieferung kann ein Ausweg aus diesem Dilemma sein. Die Kunden sparen dank ihr Zeit und können diese sinnvoll für die Familie nutzen. Dennoch ist der Kühlschrank immer gut gefüllt und eine abwechslungsreiche Ernährung gesichert.

Händler kooperieren mit Smart-Home-Anbietern

Da gerade diese Zielgruppe fast den gesamten Tag über nicht zu Hause ist, ist es für den Onlinelebensmittelhandel allerdings besonders schwer, sie zu bedienen. Bislang ist es notwendig, die Belieferung beispielsweise über die Vereinbarung eines festen Lieferzeitraums so zu koordinieren, dass der Empfänger auf jeden Fall zu Hause ist. Dies erhöht jedoch den Aufwand für alle Seiten und schränkt die Möglichkeiten stark ein. Deswegen experimentieren viele Konzerne mit Szenarien, in denen sich Smart-Home-Technologien mit der Belieferung verbinden lassen. So hat nicht nur Amazon 2017 den Dienst Amazon Key aus der Taufe gehoben. Auch der US-amerikanische Handelskonzern Walmart und die deutsche Edeka-Gruppe mit ihrer Tochter Bringmeister haben erste Testprojekte gestartet. Ziel dieser Projekte ist es, dem Boten auch dann den Zugang zur Wohnung zu ermöglichen, wenn der Empfänger nicht zu Hause ist. Auf diese Weise kann er die Lebensmittel an den dafür vorgesehenen Ort bringen. Frische Nahrungsmittel, die gekühlt werden müssen, könnten sogar direkt im Kühlschrank deponiert werden.

So wird die Sicherheit gewährleistet

Wenn ein Kunde diesen Dienst in Anspruch nehmen möchte, muss er nicht nur die entsprechenden Lebensmittel online auswählen. Darüber hinaus verbindet er sich mit dem Smart Home und führt die Autorisierung der Türe durch. Daraufhin übermittelt er dem Lieferdienst den entsprechenden Code. Dieser ist allerdings nur ein einziges Mal gültig, um Missbrauch zu verhindern. Sobald der Bote vor der Türe steht, kann der Kunde zudem optional eine Nachricht auf sein Smartphone erhalten. Überwachungskameras nehmen den Boten auf, um sicherzugehen, dass dieser nur die Waren einräumt und keine Wertsachen entwendet. Der Kunde kann das in Echtzeit überprüfen. Alternativ nimmt er die Bilder auf und sieht sie sich zu einem späteren Zeitpunkt an.

Deutsche Verbraucher sind bislang sehr skeptisch

Trotz aller Vorkehrungen lässt sich Missbrauch nicht vollkommen ausschließen. So machten bereits Berichte die Runde, dass Hacker das System von Amazon Key geknackt haben sollen. Demnach sollen sie die Kameras deaktiviert und sich in einem anderen Fall sogar unautorisiert Zugang zu einer Wohnung verschafft haben. Auch aufgrund solcher Meldungen sind viele Anwender noch sehr skeptisch gegenüber derartigen Angeboten. Besonders verbreitet ist diese Skepsis in Deutschland. Eine Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „Chip“ kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass 93 Prozent einen derartigen Service nicht nutzen würden. Allerdings kann sich dies schnell ändern. Wenn die ersten Kunden die Technik anwenden und damit positive Erfahrungen machen, besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie sich mittelfristig auch in der breiten Masse durchsetzen wird. Deshalb ist es für Unternehmen in diesem Bereich wichtig, sich zumindest mit dieser Möglichkeit auseinanderzusetzen.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht.

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