V. l. n.r.: Martin Fechtelhoff (secunet), Max Lay (Bayerisches Staatsministerium für Digitales, StMD), Roland Krebs, Susanne Seibert, Paul König (alle drei: BayLfSt), Janos Standt (mgm), Jens Viere (StMD)

Ein zweiter Platz – dennoch große Freude beim Bayerischen Landesamt für Steuern (BayLfSt): Das „modulare Unternehmenskonto auf der Basis von ELSTER“ des BayLfSt hat beim eGovernment-Wettbewerb 2020 Silber in der Kategorie „Bestes Projekt zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes“ gewonnen.

Bei der feierlichen Preisverleihung in Berlin musste sich das BayLfSt nur dem „Universalprozess E-Government-Plattform www.service-bw.de“ des Ministeriums für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg geschlagen geben. Und auch beim Publikumspreis, bei dem Internetnutzer*innen von Anfang Juni bis Mitte August nach allen eingereichten Projektpräsentationen ihre Favoriten wählen konnten, überzeugte das ELSTER-Unternehmenskonto: Das Projekt schaffte es ebenfalls auf den sehr guten 2. Platz.

Die Unternehmensberatung BearingPoint und das IT-Unternehmen Cisco schreiben den eGovernment-Wettbewerb seit 19 Jahren aus. Über 80 Teams rund um die Digitalisierung und die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung hatten in diesem Jahr ihre Projekte eingereicht. Die Präsentationen der 18 ausgewählten Finalistenprojekte in sechs Kategorien fand Anfang Juni erstmals per Videokonferenz statt. Über die Platzierungen entschied anschließend die achtköpfige Jury mit Vertreter*innen aus Verwaltung, Wissenschaft und Medien.

Das Unternehmenskonto auf Basis von ELSTER

Beim Onlinezugangsgesetz (OZG) ist meistens von digitalen Bürgerdiensten die Rede, von Parkausweisen, Kindergeldanträgen und Personalausweis-Angelegenheiten – die bis Ende 2022 digital und im Internet umgesetzt sein müssen. Vergessen werden viel zu oft die Millionen kleinen und großen Unternehmen und Organisationen, die ein Vielfaches mehr Behördenkontakte pro Jahr haben als Privatpersonen. Mit dem eingereichten „Unternehmenskonto auf der Basis von ELSTER“ setzt das BayLfSt eine Lösung um, die in den kommenden zwei Jahren die Infrastruktur für ein einheitliches Unternehmenskonto in Deutschland bereitstellt. So lautet die Beauftragung des IT-Planungsrates von Mitte Februar 2020. Hintergrund: Das BayLfSt ist Entwickler und Betreiber der ELSTER-Plattform. mgm unterstützt bei der Realisierung des ELSTER-Portals und damit auch bei der Umsetzung des Unternehmenskontos.

Fundament des modularen Unternehmenskontos ist eine weitere, separat betriebene Instanz des seit 15 Jahren bewährten ElsterOnline-Portals unter dem Namen „Mein Unternehmensportal“ (Mein UP). Dies ist eine Web-Anwendung für Unternehmen und Organisationen, auf der sie alle individuell relevanten Verwaltungsleistungen zentralisiert vorfinden – eine Art Meta-Verzeichnis mit Suchfunktion.

Voraussetzung für eGov-Dienste: sichere Authentifizierung

Damit aber überhaupt Online-Varianten von Behördendienstleistungen möglich sind, ist ein anerkannt sicheres und vertrauenswürdiges Authentifizierungsverfahren notwendig. Dafür hat das BayLfSt mit Unterstützung von mgm und der Firma secunet den zentralen Identifizierungsdienst NEZO entwickelt („Nutzung der ELSTER-Zertifikate im Rahmen des OZG“). Der Name ist Programm und folgt dem Motto „Einfachmachen einfach machen“: Unternehmen können für die Anmeldung ihr vorhandenes ELSTER-Zertifikat nutzen. Bereits rund 50 Prozent der Unternehmen und Organisationen Deutschland haben ein solches Zertifikat – das jederzeit mithilfe der Steuernummer beantragt werden kann.

NEZO kann über eine SAML 2.0-Schnittstelle (Security Assertion Markup Language) zukünftig von Verwaltungseinheiten (Bund, Länder und Kommunen) frei genutzt werden. Der Zugang ist dabei modular: Teilnehmende Einheiten können wahlweise ihre bestehenden Unternehmenskonto-Infrastrukturen unter Nutzung von ELSTER weiter betreiben oder sich direkt an das ELSTER-Unternehmensportal anschließen. Im zweiten Fall wird der erweiterte Dienst NEZOP(ortal) zum Einsatz kommen, mit der Identitätsdaten Once-Only (SAML 2.0 IDP initiiert) für verschiedene Fachverfahren im Portal weitergegeben werden.

Neben NEZO und NEZOP bietet das Unternehmenskonto eine gesetzeskonforme Postfachfunktion für Bescheide. Dafür stellt das BayLfSt die Schnittstelle „ELSTER Transfer“ zur Verfügung, die Kommunen und anderen Fachverfahren nutzen können, um Dokumente oder Verwaltungsakte direkt in Unternehmens-Postfächern bereitzustellen.

Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt (rechts) und Jon Abele, Partner und Leiter Public Services bei BearingPoint (links), übergaben Susanne Seibert vom BayLfSt die Urkunde.

 

Seit Jahren erprobt und innovativ

Das BayLfSt hatte das in Bayern entwickelte Unternehmenskonto beim 19. eGovernment-Wettbewerb eingereicht, weil das Projekt viele Grundgedanken der OZG-Umsetzung erfüllt:

  • Reduzierung von Einstiegshürden für andere Dienste/Fachverfahren durch den modularen Ansatz.
  • Mittelfristige Kosteneinsparungen bei vollumfänglicher Nutzung des ELSTER-Unternehmenskontos anstelle jeweils lokaler oder regionaler Organisationskonten.
  • 50-Prozent-Verbreitung des ELSTER-Zertifikats bei Unternehmen und der gelernte Umgang ist optimale Basis für eine breite Nutzung.
  • Keine zusätzliche Hardware wie Karten-/Ausweisleser erforderlich.
  • Die ELSTER-Zertifikatsdatei kann in der Android- und iOS-App „ElsterSmart“ hinterlegt und anschließend mobil sowie stationär genutzt werden.

Den dritten Platz in der OZG-Kategorie belegte das „Bundesportal“ des Bundesministeriums des Inneren, für Bau und Heimat (BMI). Alle Informationen zu den eingereichten Projekten im Finale und den jeweiligen Gewinnern unter www.egovernment-wettbewerb.de und in der Pressemitteilung von Bearinpoint.

Nach 2018 ist es bereits die zweite Platzierung für das BayLfSt bei dem bundesweit wichtigen Preis: Vor zwei Jahren überzeugte bereits das EKONA-Nutzerkonto die Jury – es gab Gold.

Bildquelle: Andrew Graumann / BearingPoint

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