Remote-Mitarbeiter können sich schnell isoliert und einsam im Home Office fühlen, insbesondere, wenn sie wie aktuell in der Coronakrise wochenlang von zu Hause arbeiten müssen ohne dabei auch nur einmal persönlichen, direkten Kontakt zu den Kollegen zu haben. Gerade jetzt tragen Führungskräften eine besondere Verantwortung für die Motivation innerhalb des Teams. Was sonst persönliche Interaktion und Kommunikation an Motivation schafft, muss nun remote durch andere Herangehensweisen erreicht werden. Wie motiviert man Mitarbeiter auch remote? Wechle Tricks und Tipps gibt es? Und was ist der entscheidende Erfolgsfaktor für ein motiviertes, produktives Team? Darüber spricht Eva-Lotte Gnüg im Interview mit Ann-Kathrin Krichel und Stefanie Mannseicher.

Hören Sie dazu den mgm Podcast Folge #10 oder lesen Sie unten das schriftliche Interview.

Interview

Eva-Lotte Gnüg: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des mgm Podcasts. Mein Name ist Eva-Lotte Gnüg und ich spreche heute mit Ann-Kathrin Krichel und Stefanie Mannseicher über das Thema „Mitarbeitermotivation aus der Ferne“. Herzlich willkommen! Ihr beide seid Beraterinnen bei mgm consulting partners und leidenschaftlich in der Organisationsentwicklung unterwegs. Würdet ihr euch nochmal kurz vorstellen?

Ann-Kathrin Krichel: Ja. Ich fange einfach mal an. Ich bin Ann-Kathrin. Toll, dass wir hier sein dürfen! Das Thema „Mitarbeitermotivation“ war schon sehr stark in meinem Studium verankert. Ich habe Business-Psychologie studiert und mich viel mit Change beschäftigt, auch so ein bisschen im Bereich HR. Mitarbeitermotivation ist genau mein Thema.

Stefanie Mannseicher: Hallo, hier ist Steffi, die Kollegin von der Ann-Kathrin. Ich engagiere mich auch leidenschaftlich gerne für Organisationsentwicklung und bin viel in Change-Management-Projekten unterwegs.

Eva-Lotte Gnüg: Sehr schön! Ich danke euch. Passend zu den Corona-Zeiten werden wir nachher noch explizit auf das Thema „Mitarbeitermotivation aus der Ferne“ eingehen. Zuerst jedoch etwas Allgemeineres. Mitarbeitermotivation haben eigentlich alle schon mal gehört und gefühlt kann auch jeder etwas dazu sagen. Weshalb ist es trotzdem wichtig für Unternehmen, sich damit zu beschäftigen?

Stefanie Mannseicher: Es ist nicht nur wichtig. Wir alle kennen Mitarbeitermotivation, aber vor allem brauchen wir sie alle. Man lebt von Mitarbeitermotivation in der Arbeit. Das ist das, was einen persönlich antreibt und einem die gewisse Freude an der Arbeit bringt. Aber es hat nicht nur einen persönlichen Faktor, sondern auch einen ganz starken wirtschaftlichen Faktor. Viele verschiedene Studien zeigen und beweisen, dass eine gute Mitarbeitermotivation natürlich auch zu einer erhöhten Produktivität führt und davon profitieren natürlich am Ende auch die Unternehmen mit Profitabilität und einer guten Wirtschaftlichkeit des gesamten Unternehmens. Deswegen ist es auch im Interesse des Unternehmens, die Mitarbeiter zu motivieren, und es ist definitiv kein Selbstzweck. Es geht am Ende des Tages auch darum, motivierte, qualifizierte Mitarbeiter zu halten.

Eva-Lotte Gnüg: Aber was bedeutet das denn genau? Reicht es dann einfach, ab und zu mal ein cooles Team-Event zu machen und damit sind dann alle meine Mitarbeiter motiviert? Oder gehört noch mehr dazu?

Ann-Kathrin Krichel: Gute Frage. Das ist der springende Punkt, den man von verschiedenen Perspektiven betrachten kann. Grundsätzlich hilft ein cooles Team-Event wahrscheinlich auch durchaus häufig, aber das als Motivation zu bezeichnen, ist schwierig, und da muss man sich vor allem diesen Punkt „Langfristigkeit und Zeitachse“ angucken. Wenn man nämlich ein cooles Team-Event macht, kann es durchaus dazu führen, dass die aktuelle Stimmung im Team erhöht wird und die Leute sich punktuell wohlfühlen. Wenn man aber nicht irgendeine Art von Regelmäßigkeit einführt, sei es als regelmäßiges Team-Event oder indem man sich regelmäßig etwas anderes überlegt, dann ist das tatsächlich schwer in Motivation umzusetzen. Also wenn man nur ein Team-Event macht, arbeitet man meistens an der Stimmung und nicht an der Motivation, mal ganz davon abgesehen, dass man sich auch nochmal im Detail angucken muss, was denn ein Team-Event wirklich bewirkt. Man muss ein Gefühl dafür bekommen, wie häufig ich etwas machen muss. Und der andere Punkt, über den wir auch gleich nochmal gerne sprechen würden, ist, welche Maßnahme ich denn benutze, um meine Motivation zu steigern.

Eva-Lotte Gnüg: Okay, das klingt sehr spannend. Das heißt, nur langfristige und wiederkehrende Aktionen fördern tatsächlich die Mitarbeitermotivation. Habe ich das richtig verstanden?

Stefanie Mannseicher: Ja, das kann man so sagen. Es gibt auch verschiedene Motivationsfaktoren, die bei jedem natürlich auch unterschiedlich ausgeprägt sind. Man kennt klassischerweise extrinsische und intrinsische Faktoren. Ein extrinsischer Faktor ist zum Beispiel der nette Bonus am Jahresende, Gehaltssteigerungen oder auch mal einen Firmenwagen zu bekommen. Nicht zu vergessen sind aber vor allem die intrinsischen Faktoren, die einen Mitarbeiter einfach von innen heraus motivieren Bestleistungen zu geben und sich in den jeweiligen Aufgaben im besten Fall zu verausgaben. Dazu gehören zum Beispiel Faktoren wie klassische Wertschätzung. Wertschätzung beginnt bei der Führungskraft, gehört und gesehen zu werden, auch mal Anerkennung und lobende Worte für eine gut geleistete Arbeit zu bekommen, und auch das richtige und konstruktive Feedback zu bekommen, was man beim nächsten Mal vielleicht besser machen kann und was schon sehr gut war. Man kennt klassiche Feedback-Burger: Ein positives Feedbackgespräch, versetzt mit Themen, die vielleicht noch verbesserungsfähig sind, das mit einer positiven Note beendet wird. Ein anderes Beispiel wäre auch ein gewisser Freiheitsgrad bei der Arbeit, um sich in seinen eigenen Stärken zu verwirklichen und sich bei seinen eigenen Themen seine Freiräume zu schaffen. Ein weiteres wichtiges Thema ist natürlich die Kommunikation und Transparenz, besonders in solchen Zeiten, wie wir sie jetzt grad haben, die instabil sind und zu Verunsicherung führen. Hier ist es ganz wichtig, Transparenz zu schaffen, auch als Führungskraft ein offenes Ohr für seine jeweiligen Mitarbeiter zu haben und natürlich auch Sicherheit und Vertrauen auszustrahlen und Mitarbeiter mit den letzten Neuigkeiten auf den Stand zu bringen und einfach in Konversation zu bleiben. Eine gute Arbeitsatmosphäre unter Kollegen, wo man sich wohlfühlt, gern in den Austausch geht, Wissen teilt und gern zusammenarbeitet, sowie eine gute Fehlerkultur sind ebenfalls ganz wichtige intrinsische Faktoren. Und es liegt an der Führungskraft, diese jeweiligen Motivatoren, die bei den Mitarbeitern unterschiedlich ausgeprägt sind, zu triggern.

Eva-Lotte Gnüg: Das klingt theoretisch alles ganz schön und gut. Hat denn jemand von euch schon mal tatsächlich in der Praxis erlebt? Könnt ihr ein Beispiel nennen, in dem ihr mal eine Führungskraft oder einen Unternehmensspirit erlebt habt, die ein Positivbeispiel zum Thema „Mitarbeitermotivation“ darstellt?

Ann-Kathrin Krichel: Ja, da kann ich eins erzählen. Ich möchte noch ergänzen, dass man natürlich auch immer darauf achten muss, dass das auch individuell passt. Das Beispiel, das ich nun nennen werde, ist mir persönlich sehr ins Auge gestochen. Ich habe mal eine Vorgesetzte erlebt, von der ich sagen kann, dass ich selten jemanden gesehen habe, der mit so viel Wertschätzung, Kommunikation und Lob gearbeitet hat und trotzdem alle auf den Punkt mitgenommen und diszipliniert behandelt hat. Das lag einfach daran, dass die Mitarbeiter das Gefühl hatten, dass sie abgeholt wurden, wenn etwas Wichtiges anlag. Ihnen wurde nichts vorenthalten. Wenn sie etwas gut gemacht haben, selbst wenn es sich um eine Kleinigkeit handelte, wurde es wahrgenommen und wertgeschätzt. Das Witzige an der Geschichte ist, wenn man mal etwas nicht geschafft hat oder jemand das Gefühl hatte, dass er nicht fertig wird, dann war es tatsächlich so, dass die Mitarbeiter freiwillig Überstunden geschoben haben, weil sie ihre Führungskraft in dem Sinne nicht enttäuschen wollten. Das zeigt, wie viel man bereit ist mehr zu geben, wenn man motiviert ist und das Gefühl hat, dass etwas ankommt. Dazu muss man aber immer sagen, dass es natürlich auch sein kann, dass ich etwas anders gestrickt bin und mir andere Sachen wichtig sind. Dann muss mein Chef ein Feingefühl entwickeln und mich vielleicht auch mit anderen Maßnahmen versuchen zu ködern.

Eva-Lotte Gnüg: Es ist also sehr individuell. Aber das, was du gerade erzählt hast, klingt danach, dass man richtig viel herausholen kann, wenn man den richtigen Angriffspunkt bei den Mitarbeitern erwischt.

Ann-Kathrin Krichel: Ja, auf jeden Fall.

Eva-Lotte Gnüg: Jetzt befinden wir uns mit Corona gerade in einer sehr besonderen Zeit. Es ist eine eher instabile Lage und bei einigen auch eine unsichere Jobaussicht. Alle müssen von zu Hause arbeiten, man sieht sich nicht mehr persönlich im Büro. Was könnt ihr denn aktuell empfehlen, um die Mitarbeitermotivation noch aufrecht zu erhalten oder besonders zu pushen, weil es einfach schwierigere Zeiten sind?

Stefanie Mannseicher: In Zeiten wie der Coronakrise, wo man sich nicht täglich oder gar nicht mehr physisch am Arbeitsplatz treffen kann, muss man sich natürlich ein anderes, sicheres Arbeitsumfeld und die richtigen Strukturen schaffen. Das fängt bei der Kommunikation und der Transparenz, vom Management ausgehend an die Kolleginnen und Kollegen, an. Man muss das Gefühl bekommen, dass man nach wie vor einbezogen, gehört und gesehen wird. Wenn man zum Beispiel noch kein All-Hands im Terminkalender hat, sollte man dieses einführen, auch in regelmäßigen Abständen, wo alle Mitarbeiter beteiligt werden, ihre Fragen und Anregungen äußern können und wo man einfach die notwendigen Informationen erhält oder auch über regelmäßige Info-Mails wichtige Informationen mitbekommt. Oder man kann auch andere technische Tools verstärkt nutzen, um zu kommunizieren, miteinander zu chatten, Wissenswertes auszutauschen und auch gemeinsam mal in einen Videochat zu gehen und die Gesichter der anderen zu sehen und die gefühlte Nähe zu den Kollegen zu schaffen. Damit kann man auch ein bisschen Struktur, Sicherheit und Regelmäßigkeit im Alltag wieder einkehren zu lassen, um das Gefühl der Nähe zum Team und zur jeweiligen Führungskraft zu haben, damit dieser Faden und auch die Motivation nicht abreißt, die Dinge autonom weiterzutreiben. Umso wichtiger ist es jetzt, die richtige Mitarbeitermotivation an den Tag zu legen oder die Mitarbeiter motiviert zu bekommen, dass sie die Aufgaben autonom und selbstständig weitertreiben und dass dieser Kommunikationsfluss einfach aufrechterhalten wird.

Ann-Kathrin Krichel: Im Grunde genommen kann man sagen, das ist so ein bisschen zweigeteilt. Zum einen hat man eben, wie Steffi schon erwähnte, diese ganzen strukturellen Sachen, die Kommunikationssachen. Und zum anderen muss oder sollte man zumindest auch einen Fokus auf diese soziale Interaktion, die jetzt nicht direkt zur Arbeit dazugehört, legen, weil man eben natürlich auch als soziales Wesen darauf angewiesen ist, mal so ein Digital Coffee Break zu haben, dass man irgendwie die Atmosphäre durch bestimmte Meetings oder mal einen Feierabend via Virtual Teambuilding kreiert. Da gibt es wirklich viele sehr gute Methoden, die man machen kann, die einen so ein bisschen aus diesem Arbeiten herausholen. Und gerade jetzt, wo wir im Grunde genommen nur vor dem Laptop sitzen und arbeiten, ist das auch sehr wichtig.

Stefanie Mannseicher: Ich kann dem nur zustimmen und aus eigener Erfahrung sagen, dass das verbindet, motiviert, antreibt, eine gewisse Sicherheit und Stabilität gibt und einfach auch die Nähe zu den Kollegen aufrecht hält.

Eva-Lotte Gnüg: Cool! Ann-Kathrin, ich weiß, dass du zum Beispiel auch in deinem aktuellen Projekt viel mit Virtual Teambuilding arbeitest. Kannst du da nochmal ein Beispiel nennen, was man da quasi remote, aber dennoch interaktiv tun kann?

Ann-Kathrin Krichel: Ja. Tatsächlich gibt es da eine ganze Menge Tools und das eine dem anderen vorzuziehen, wäre fast schon unfair. Angefangen bei diesen klassischen Spielen wie „Tabu“, „Activity“, „Pantomime“, die man kennt, die kann man auch mal sehr gut remote ausprobieren. Es gibt auch eine ganze Menge anderer lustiger Spiele, wo man die Kollegen besser kennenlernt, weil man sich Geschichten ausdenkt und die Kollegen raten müssen, wer gerade lügt und wer sich welche Geschichte ausgedacht hat. Auf sehr spielerische Art und Weise gibt es da eine riesige Toolbox und man muss immer gucken: Was passt zu meinem Team? Denn ich kenne es auch aus meinem Projekt, dass manche Teams so sind, dass sie für diese lustigen, verrückten Spiele Feuer und Flamme sind, während andere eher etwas reservierter dabei sind. Man muss also auch da gucken, was am besten passt und tatsächlich die Charaktere motiviert, die in meinem Team sitzen.

Eva-Lotte Gnüg: Sehr spannend! Ich danke euch! Dann sind wir mit diesen Tipps sehr gut für die nächsten Wochen gewappnet. Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für unseren Podcast genommen habt. Wenn wir Sie da draußen auch neugierig gemacht haben oder Sie Fragen zum Thema „Mitarbeitermotivation“ haben, dann melden Sie sich doch einfach unter info@mgm-cp.com und da beantworten wir sehr gerne weitere Fragen. Wir freuen uns auf jeden Fall, von Ihnen zu hören! Vielen Dank fürs Zuhören und bis bald!

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