Effiziente Lösungsansätze für logistische Herausforderungen des Buchversands und des Onlinebuchhandels

Wer sich intensiver mit dem Onlinehandel beschäftigt, ist mit Sicherheit schon einmal auf diesen bekannten Branchenmythos gestoßen: Der Buchhandel sei leicht zu digitalisieren gewesen – nicht umsonst habe sich Amazon zunächst ausschließlich auf dieses Handelssegment fokussiert. Doch ist dem tatsächlich so? Sind Onlinebuchhandel und Buchversand tatsächlich so „einfach“, wie sie gemeinhin betrachtet werden?

An einem Punkt hat der beschriebene Branchenmythos sicherlich Recht: Wenn man über den Buchversand im Allgemeinen und den Onlinebuchhandel im Speziellen sprechen möchte, führt kein Weg an Amazon vorbei. Schließlich hat sich der von Jeff Bezos geführte Handelskonzern seit jenem Julitag im Jahr 1995, als er mit „Fluid Concepts and Creative Analogies: Computer Models of the Fundamental Mechanisms of Thought“ von Douglas Hofstadter sein erstes Buch verkaufte, zum unangefochtenen Branchenprimus entwickelt. Nach Schätzungen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels lag der Umsatzanteil des US-Unternehmens am deutschen Onlinebuchhandel in den Jahren 2016 und 2017 zwischen 50 bis 70 Prozent. Trotz dieser dominanten Marktposition hat sich der Umsatzanteil des Buchsegments an Amazons Gesamtergebnis in den vergangenen Jahren jedoch erheblich reduziert. Immerhin hat der Konzern sein Sortiment im Laufe der Jahre um zahlreiche, angeblich schwerer zu digitalisierende Produktkategorien von Consumer Electronics über Mode und Beauty bis hin zu Lebensmitteln erweitert – und mit dieser Erfolgsgeschichte zumindest unbewusst zum Mythos des einfach zu digitalisierenden Buchhandels beigetragen.

Sind Onlinebuchhandel und Buchversand tatsächlich „einfach“?

Das erfolgreiche Engagement von Amazon ist jedoch nicht der einzige Grund, warum die Digitalisierung des Buchhandels heutzutage als „einfach“ angesehen wird. Darüber hinaus ist es in Reaktion auf den rasanten Aufstieg des US-amerikanischen Newcomers auch zahlreichen klassischen Buchhändlern mit ursprünglich stationärer DNA gelungen, ihr Geschäft auf den neu hinzugekommenen Kanal auszuweiten. Dies hatte zur Folge, dass der Buchhandel zu den ersten Handelssegmenten gehörte, in denen spürbare Marktanteile in den E-Commerce abwandern konnten. So lag der Umsatzanteil des Onlinehandels am gesamten deutschen Buchmarkt im Jahr 2017 bei stolzen 18,8 Prozent. Hinzu kommen zahlreiche Versandbuchhändler wie Weltbild, die auch heutzutage noch einen großen Teil ihres Umsatzes über den klassischen Katalogversand generieren.

Ist die Meinung, die Digitalisierung des Buchhandels sei „einfach“ zu bewerkstelligen, angesichts dieser Fakten also gerechtfertigt? In der Tat scheinen neben der bereits erwähnten Marktentwicklung der vergangenen Jahre einige Gründe für diese Ansicht zu sprechen:

  • Bücher verfügen in der Regel über kleine, rechteckige Maße sowie ein überschaubares Gewicht. Aus diesem Grund ermöglichen sie einen relativ unkomplizierten Picking- und Packingprozess. Darüber hinaus ist der Versand vergleichsweise kostengünstig.
  • In zahlreichen Produktkategorien stellen unterschiedliche Größen, Versionen oder Chargen große Herausforderungen dar, die sowohl die Kundeninformation erschweren als auch zu höheren Retourenquoten führen können. Im Buchhandel sind derartige Fragestellungen hingegen von untergeordneter Bedeutung. Zwar werden Bücher immer wieder neu aufgelegt, allerdings verändern Verlage den Inhalt und die Darstellung in diesem Prozess nur selten, sodass sich die verschiedenen Auflagen häufig kaum unterscheiden. Dementsprechend entspricht die erhaltene Ware in den meisten Fällen den Vorstellungen der Kunden. Auch aus diesem Grund werden Bücher vergleichsweise selten retourniert.
  • Im Gegensatz zu Lebensmitteln können Bücher nicht verderben. Dementsprechend bedarf es sowohl im Lagerungs- als auch im Versandprozess keiner besonderen Voraussetzungen, um mit Büchern zu arbeiten. Theoretisch lassen sie sich über Jahre lagern, ohne an Wert zu verlieren – wodurch sie sich auch von anderen Produkten wie Kleidung oder Elektrogeräten unterscheiden, die sehr stark saison- bzw. innovationsgetrieben sind und dementsprechend nach einer gewissen Zeit im Wert fallen.
  • Anders als beispielsweise komplizierte Maschinen wie Motorsägen oder Aufsitzrasenmäher sind Bücher nur in einem begrenzten Maße erklärungsbedürftige Produkte. Zwar schätzen viele Leser eine kompetente Beratung durch einen ausgebildeten Buchhändler, doch ist diese für den späteren korrekten Gebrauch des Buchs unerheblich. Die Bewertung und Empfehlung von Büchern, die ein Buchhändler im Beratungsgespräch vorrangig leistet, lassen sich im digitalen Umfeld hingegen durch Inhaltsangaben, Leseproben, Rezensionen sowie Leserbewertungen recht gut ersetzen.
  • Die deutschen Verlage produzieren Jahr für Jahr äußerst viele verschiedene Titel in den unterschiedlichsten Segmenten und Genres. Allein 2013 wurden in Deutschland 93.600 Buchtitel erst- oder neuaufgelegt. Hinzu kommen unzählige deutsch- oder fremdsprachige Titel ausländischer Verlage, die in Deutschland erhältlich sind. Angesichts dieser Masse an verschiedenen Büchern überrascht es nicht, dass kein stationärer Buchhändler diese Vielfalt in seinem Sortiment abbilden kann. Dieser Umstand kommt dem Onlinebuchhandel entgegen: Zwar können auch stationäre Buchhändler dem Kunden dank des Zwischenbuchhandels so gut wie jeden lieferbaren Artikel innerhalb weniger Tage besorgen. Allerdings gelingt es Onlinehändlern in ihren Webshops ohne Frage besser, die Bandbreite der verschiedenen Veröffentlichungen auf einen Blick darzustellen.

Wie die Suche nach Differenzierungsmöglichkeiten für viele Händler zum Bumerang wird

Die genannten Fakten sind nur einige der Ursachen, weshalb sich der Buchhandel schon wesentlich früher als viele andere Handelssparten zumindest teilweise ins World Wide Web verlagern konnte. Schon diese kurze Auflistung scheint eine deutliche Sprache zu sprechen und den Buchhandel als geradezu prädestiniert für den E-Commerce darzustellen. In der Realität gestalten sich der Onlinebuchhandel und der Buchversand für Händler jedoch wesentlich schwieriger. Der Grund hierfür ist einfach: Aufgrund seiner speziellen Marktgegebenheiten bietet der Buchhandel seinen Marktteilnehmern nur wenige Möglichkeiten, um sich von den übrigen Wettbewerbern zu differenzieren.

Aufgrund seiner speziellen Marktgegebenheiten bietet der Buchhandel seinen Marktteilnehmern nur wenige Möglichkeiten, um sich von den übrigen Wettbewerbern zu differenzieren.

So sind sich zum einen die verfügbaren Sortimente in der Kategorie „Bücher“ sehr ähnlich. Zwar bemühen sich zahlreiche Buchhändler, einen besonderen inhaltlichen Fokus in ihr Sortiment zu legen – beispielsweise indem sie sich auf Krimis, Kinderbücher oder Fachbücher spezialisieren. Durch das umfangreiche Leistungsangebots des Zwischenbuchhandels werden diese Bemühungen jedoch zumindest ein Stückweit konterkariert. So ist es den deutschen Barsortimenten möglich, ihren angeschlossenen Buchhändlern – und damit auch dem Endkunden – einen Großteil aller in Deutschland lieferbaren Bücher innerhalb von 24 Stunden zur Verfügung zu stellen. Eine Differenzierung über das eigene Sortiment ist im Buchhandel daher nur eingeschränkt möglich.

Zum anderen unterliegen Bücher in vielen Ländern Europas wie Deutschland und Österreich der Buchpreisbindung. Händlern ist es somit nicht erlaubt, den vom Verlag vor der Veröffentlichung festgelegten Preis zu verändern – eine Regelung, die das „Kulturgut Buch“ vor Rabattschlachten schützen soll. Allerdings nimmt sie den Händlern damit eine in anderen Kategorien gängige Möglichkeit, sich von der Konkurrenz abzusetzen und dem Kunden durch ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufzufallen.

Von der Buchpreisbindung ausgenommen sind lediglich gekennzeichnete Mängelexemplare mit tatsächlichen Mängeln, gebrauchte – also schon einmal zum festgelegten Preis verkaufte – Bücher sowie Altauflagen, die schon länger als 18 Monate auf dem Markt sind und deren Preisbindung vom herausgebenden Verlag aufgehoben wurde. Auf den Verkauf dieser nicht preisgebundenen Bücher hat sich insbesondere das Moderne Antiquariat spezialisiert. Da in diesem Marktsegment ein Wettbewerb über den Preis möglich ist, muss an dieser Stelle mit einer sehr geringen Marge gearbeitet werden. Um unausweichlichen Preiskämpfen und Rabattschlachten zu entgehen, kaufen Händler des Modernen Antiquariats verfügbare Restposten häufig komplett auf. Diese Strategie bietet ihnen die Möglichkeit, sich auch in Hinblick auf das angebotene Sortiment zu differenzieren. Hierfür müssen Händler allerdings auch über die notwendigen Lagerkapazitäten verfügen, um mit größeren Restposten, die mitunter mehrere Tausend Bücher umfassen können, effizient arbeiten zu können.

Doch nicht nur das Moderne Antiquariat hat in der Vergangenheit Mittel und Wege gefunden, sich innerhalb der engen Marktgegebenheiten von der Konkurrenz abzugrenzen. Viele Vertreter des regulären Buchhandels haben beispielsweise besonders hochwertige Bücher wie Faksimiles, Ausstellungskataloge oder Bildbände, Non-Books – also Medien, die keine Bücher sind – oder buchnahe Nebenprodukte wie Lebensmittel, Accessoires oder Möbel in ihr Sortiment integriert. Diese dienen einerseits als Differenzierungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz und können andererseits oftmals mit höherer Marge verkauft werden, da viele der ins Sortiment integrierten Produkte nicht der Buchpreisbindung unterliegen.

So positiv sich diese strategische Vergrößerung der Produktvielfalt auf das Sortiment und die Kundenakquise auswirkt, so sehr erschweren die zusätzlichen Produkte aufgrund ihrer Eigenschaften die Logistik des angeblich so „einfachen“ Buchversands.

  • Während Bücher in der Regel eher niedrig- bis mittelpreisige – und somit für Diebe eher unattraktive – Produkte sind, können die ins Sortiment integrierten Nebenprodukte durchaus einen hohen Wert besitzen. Solche Güter können aus diesem Grund ausschließlich in speziellen Sicherheitszonen gepickt und verpackt werden, zu denen nur besonders vertrauenswürdige Mitarbeiter Zutritt haben.
  • Die Nebenprodukte können sowohl besonders kleinteilig als auch besonders groß, schwer oder sperrig sein. Diese ungewöhnlichen Maße und Gewichte können sowohl beim Picking als auch beim Verpacken zu besonderen Herausforderungen führen. Eventuell werden speziell geschulte und/oder körperlich starke Mitarbeiter benötigt, die im Umgang mit Groß- und Sperrgut wie z.B. Möbeln erfahren sind. Zudem kann es angesichts unterschiedlicher Maße nötig werden, einen Kundenauftrag auf mehrere Sendungen zu verteilen – beispielsweise wenn ein Buch gemeinsam mit einem Aztekenofen bestellt wurde.
  • Hinzu kommt, dass durch die vielen zusätzlichen Artikel und Restposten die Lagerkapazitäten an ihre Grenzen stoßen können und die Lagerung sämtlicher Bestände an einer Stelle die Effizienz der Logistikprozesse schmälern würde.

Einige Lösungsansätze für Bevorratung und Nachschub

Um diesen Herausforderungen wirkungsvoll begegnen zu können, müssen Buchhändler passende Lösungsstrategien entwickeln. Ein wesentlicher Baustein dieser Lösungsansätze sind die Organisation der Lagerbestände sowie die Erarbeitung effizienter Bevorratungsstrategien. Wie im vorangegangenen Abschnitt gezeigt wurde, können die zahlreichen zusätzlichen Artikel und Restposten, die Buchhändler als Differenzierungsmerkmal einsetzen, handelsübliche Lagerkapazitäten – und damit auch die Effizienz der Prozesse innerhalb des Lagers – schnell an ihre Grenzen bringen. Dies zeigt sich insbesondere beim Picking: Mit jedem weiteren Regalmeter verlängern sich die Pickingrouten, die Mitarbeiter und Maschinen zurücklegen müssen, und damit auch der nötige Zeitaufwand, um Kundenbestellungen zusammenzustellen.

Um dennoch ein möglichst effizientes Arbeiten innerhalb des Lagers zu ermöglichen, kann daher ein eigenes Kommissionierlager notwendig werden, in dem die Bestandsmengen der eingelagerten Artikel bewusst begrenzt werden, um zu lange Pickingrouten zu vermeiden. Der Hauptteil der Bestände wird hingegen in einem Reservelager vorgehalten. Da die Bestände in diesem Szenario physisch voneinander getrennt sind, ist es für ein Gelingen dieser Strategie besonders wichtig, geeignete Nachschubstrategien zu entwickeln, die eine schnelle und reibungslose Aufstockung des Kommissionierlagers erlauben.

Sind beispielsweise Kataloge versandt oder der Kundschaft besondere Rabattaktionen kommuniziert worden, müssen die beworbenen Produkte besonders schnell zur Verfügung stehen, um Lieferengpässe oder -verzögerungen zu vermeiden. Aus diesem Grund sollten prognostizierte Bestseller bereits mit Eingang der ersten Bestellungen in größerer Anzahl ins Kommissionierlager überführt werden. Für diese schnelldrehenden Artikel können innerhalb des Kommissionierlagers beispielsweise eigene Nachschubzonen eingerichtet werden, in denen die Produkte direkt von der Palette gepickt werden können. Auf diese Weise werden den Mitarbeitern langwierige Einsortierprozesse und unnötige Wege erspart.

Daneben existieren weitere unterstützende Bevorratungsstrategien, die Buchhändler nutzen können: So könnten zum Beispiel online vorreservierte Bestände direkt im Kommissionierlager hinterlegt werden, damit diese Aufträge möglichst frühzeitig versandt werden können. Darüber hinaus könnten geplante Nachschubtransporte vom Reserve- ins Kommissionierlager über den tatsächlich benötigten Nachschub hinaus weitere Artikel umfassen, um das Kommissionierlager „on the fly“ wieder aufzufüllen, bevor reelle Engpässe entstehen.

Streckengeschäfte können ein praktikabler Weg sein, um das Sortiment zu vergrößern, aber das damit verbundene Risiko sowie die potenziell schädlichen Auswirkungen auf die Lagerprozesse möglichst gering zu halten.

Die Bevorratungsstrategien müssen sich zudem nicht auf die tatsächlich physisch in den Lagern vorhandenen Bestände beschränken. Stattdessen können Streckengeschäfte ein praktikabler Weg sein, um einerseits das eigene Sortiment zu vergrößern, aber andererseits das damit verbundene Risiko sowie die potenziell schädlichen Auswirkungen auf die Lagerprozesse möglichst gering zu halten. Streckengeschäfte können daher insbesondere bei eher selten verkauften Artikeln und schwer einzulagernden Produkten oder Waren, mit denen hohe Transportkosten verbunden sind, Sinn ergeben. Selbstverständlich muss beim Aufbau von Streckengeschäften jedoch bedacht werden, dass auch die Lieferanten von den Vorteilen dieses Schritts überzeugt und in den gesamten Prozess eingebunden werden müssen. Schließlich ist nicht jeder Zulieferer willens und/oder technisch sowie prozessual dazu in der Lage, einzelne Produkte an Endkunden zu liefern.

Einige Lösungsansätze für Picking und Packing

Neben diesen Bevorratungs- und Nachschubstrategien sollten auch die Picking- und Packingstrategien im Lager optimiert werden, um die dortigen Prozesse insgesamt zu verbessern. So empfiehlt es sich, Aufträge basierend auf ihrer Zusammensetzung zu analysieren und anschließend unterschiedlich zu bearbeiten:

  • Aufträge mit mehreren Standardartikeln: Für Bestellungen mit mehreren Standardartikeln wie Büchern eignet sich die zweistufige Kommissionierung besonders. Die Picker sammeln die Artikel zunächst auftragsunabhängig auf optimierten Pickingrouten ab. An den Sortierstellen verteilen sie die Artikel anschließend auf verschiedene Fächer, die den jeweiligen Aufträgen zugeordnet sind. Sobald ein Auftrag vollständig an der Sortierstelle eingetroffen ist, erhält der dortige Mitarbeiter einen Hinweis, sodass er die Artikel gemeinsam mit dem Versandetikett auf die Packstraße schicken kann.
  • Soloaufträge: Aufträge, mit denen der Kunde nur einen einzigen Standardartikel bestellt, müssen selbstverständlich nicht aufwändig sortiert werden. Die entsprechenden Produkte werden daher ebenfalls auf den Pickingrouten abgesammelt und an speziellen Packstationen einzeln verpackt.
  • Hochwertige Artikel: Um besonders hochwertige Produkte vor Diebstahl und Beschädigungen zu schützen, können diese innerhalb des Kommissionierlagers in einer Sicherheitszone verwahrt werden, zu denen nur berechtigte Mitarbeiter Zutritt haben. Diese können die entsprechenden Artikel auf ihren regulären Pickingrouten einsammeln und wiederum an Sortierstellen, an denen ebenfalls vertrauenswürdige Mitarbeiter beschäftigt sind, übergeben.
  • Groß- und Sperrgut: Besonders große, schwere oder sperrige Artikel wie z.B. Möbel können nicht von jedem Picker adäquat bewegt werden. Daher kann es sinnvoll sein, diese Güter getrennt von anderen Aufträgen durch körperlich besonders starke und/oder speziell geschulte Mitarbeiter picken zu lassen.

Angesichts dieser unterschiedlichen Anforderungen sind unterstützende IT-Systeme sowohl hinsichtlich der Bevorratung als auch im Hinblick auf die Picking- und Packingprozesse von zentraler Bedeutung. Sie sollten ohne größere manuelle Arbeit der Mitarbeiter in der Lage sein zu entscheiden, wie die einzelnen Aufträge im Detail bearbeitet werden.

Hierfür kann ein mehrstufiger Prozess hilfreich sein: Zunächst wird die vom Kunden bestellte Ware im Gesamtbestand reserviert. Anschließend bildet das System anhand verschiedener zuvor festgelegter Kriterien Teilmengen an Aufträgen, die zu einem festgelegten Zeitpunkt versandfertig sein müssen. An dieser Stelle müssen beispielsweise auch Faktoren wie die unterschiedlichen Abholzeiten der verschiedenen Versand- und Logistikdienstleister in der Priorisierung berücksichtigt werden. Innerhalb der beschriebenen Teilmengen wird anschließend entschieden, an welchem Lagerplatz die Artikel von welchem Mitarbeiter gepickt werden sollen. Hierbei wird insbesondere auf die Wegeoptimierung der Picker geachtet, um die Bestellungen der Kunden möglichst effizient abarbeiten zu können. Um die Wege trotz großer Lagerflächen möglichst kurz zu halten, wird das Kommissionierlager daher häufig in Zonen unterteilt. Darüber hinaus müssen aber auch die oben beschriebenen Faktoren wie die Zutrittsberechtigung zur Sicherheitszone sowie die Fähigkeit des Mitarbeiters, auch mit Groß- und Sperrgut umgehen zu können, bei der Zuordnung der Artikel zu konkreten Pickern beachtet werden.

Ein weiteres Feld, in dem IT-Systeme einen nachweislichen Effekt auf das Geschäft haben können, stellt die Frachtkostenberechnung dar. Sofern den einzelnen Artikeln entsprechende Kennzeichen zugeordnet werden können, sind IT-Systeme in der Regel in der Lage, die Frachtkosten schon im Rahmen des Bestellprozesses zu berechnen und Aufträgen automatisch die passende Versandart zuzuweisen. Auf diese Weise können nicht nur die Händler bares Geld beim Versand der Ware an den Kunden sparen, sondern auch der Kunde erhält die volle Transparenz über die entstehenden Kosten.

Fazit

Ist der Aufbau eines digitalen Buchversands im Vergleich zu anderen Produktkategorien tatsächlich so „einfach“, wie er häufig dargestellt wird? Angesichts der zahlreichen dargelegten Herausforderungen kann die diesem Artikel vorangestellte Eingangsfrage wohl nur bedingt bejaht werden. Insbesondere die Notwendigkeit der Händler, sich in einem schwierigen, durch die Buchpreisbindung stark regulierten Marktumfeld durch Nebenprodukte vom Wettbewerb differenzieren zu müssen, hat deutlich spürbare Auswirkungen auf die Logistik.

Um trotz dieser Auswirkungen eine effiziente Logistik zu gewährleisten, müssen Buchhändler kluge Bevorratungsstrategien sowie flexible Picking-, Packing- und Versandprozesse entwerfen. Leistungsstarke IT-Systeme können bei der Bewältigung dieser Herausforderungen eine wertvolle Hilfe sein.

Bildquelle: Pixabay – EliFrancis

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